Bericht über den 9. Mai

Wolgograd war in den letzten Tagen geradezu überladen von Ereignissen.

Spät abends bei Platzregen fand auf dem Mamaew Kurgan ein Konzert unter der Teilnahme den Marientheaters statt. Es traten bekannte Künstler mit Kriegsliedern auf, am Ende – ein feierliches Feuerwerk.

Am Morgen den 9. Mai fand das interessanteste Ereignis statt – die Militärparade. Bereits ab 7 Uhr strömten die Menschen in die Nähe des Platzes. Das Wetter hätten man sich nicht besser wünschen können. Zuerst wurde der Platz komplett von der Miliz umstellt. Verkehrsmiliz, Kampfeinheiten, die der Miliz zur Seite stehen, Lastwagen der kommunalen Dienste, die die Zugänge zum Platz bewachten. Es wurden also alle erdenklichen antiterroristischen Maßnahmen ergriffen und alle Sicherheitskräfte eingesetzt. Es gab nur einen einzigen Zugang zum Platz – durch ein Dutzend Metalldetektoren auf der Heldenallee. Es wurde ein großer Bildschirm für die direkte Übertragung der Parade vom Roten Platz aufgebaut, um zu gewährleisten, dass die Parade in Wolgograd synchron mit Moskau abläuft. Gegen 10 Uhr begann die Parade wie bei einer Probe. Am schlechtesten konnte Kinder die Parade sehen, besonders die Schüler, die aus benachbarten Stadtteilen angereist gekommen waren, offensichtlich noch bei Morgengrauen. Sie kamen durch die Massen nicht näher an die von Soldaten ran. Einige von ihnen kletterten auf Bäume und schauten aus fünf Metern Höhe auf die Parade hinab wie Könige.

Alles lief genau nach Drehbuch – es wurde die Siegesflagge gehisst (eine Kopie, natürlich), die Flagge der Russischen Föderation und die offizielle Flagge zum 65. Jahrestag des Sieges, es wurde die Front-Standarte von 1945 getragen. All das unter Begleitung der Kompanie der Ehrenwache – eben jener Soldaten, die die Wache auf dem Mamaew Kurgan halten. Weiter durch die Parade entlang der Tribüne mit Ehrengästen und Veteranen lief eine Kolonne Soldaten in der Uniform von damals, Fallschirmjäger, Soldaten aus Kamyschin, Wolgograd und Kalatsch am Don. Kalatsch hat erst kürzlich vom Präsidenten die Auszeichnung «Stadt mit Kriegsruhm» erhalten. Die Hauptkolonne wurde von Mädchen in Milizuniform der Wolgograder Akademie des Innenministeriums gesäumt. Sie marschierten besser als alle anderen.

Der zweite Teil der Parade galt der Bewegung der Kampftechnik, die bereits an der Straße des Friedens positioniert stand und auf ihren Einsatz wartete. Angeführt wurde die Kolonne von einem Ausstellungsstück des Panorama-Museums, einem Panzer T-34. Viele der Zuschauer würdigten besonders, dass der Panzer älter als 65 Jahre ist. Vor einem Jahr wurde der Panzer in einer Schlachten-Rekonstruktion im Tal des Flusses Zariza benutzt. An der Seite stand «Auf Stalingrad» (obwohl sie Aufschrift jedes Jahr geändert wird). Danach kamen Panzer der letzten Generation T-90 (der «Schwarze Adler»), danach kam die Raketenartillerie – ein BM 21, Nachfolger des berühmten Mehrfachraketenwerfers Katjuscha [auch Stalinorgel genannt, Anm. der Übersetzerin], sie ist ja die Sütze des «Hagels» [Namen des Werfersystems, Anm. der Übersetzerin]. Genau solche hat die Ukraine Georgien für die Schießereien am 8.8.2008 in Zchinwali verkauft. Nach dem «Hagel» kamen LKWs mit Panzerabwehrwaffen. Siehe Foto.

Nach der Parade spielte ein Orchester, das aus verschiedenen Gruppen und Schulen bestand, sie spielten alle Musik aus der Kriegszeit.

 

Nach der Vorstellung bewegten sich die Menschenmassen zu den Straßenbahnen, um auf den Mamaew Kurgan zu fahren.

Auf dem Kurgan sah ich zum ersten Mal eine «Kriegs-» oder «Feldkirche», von Soldaten zusammengebastelte Zelte, in denen ich und mein Freund zweimal Buchweizengrütze bekamen. Danach sind wird ins Stalin-Museum gegangen. Als ehemalige und heutige Museumsmitarbeiter kamen wir kostenlos rein. Wollte schon lange dort die Materialien fotografieren, die ich für meine Vorlesung benutzen will. Eine solche Wallfahrt wie diesmal fand nicht mal am Tag der Eröffnung des Stalin-Museums statt. Es wurden alle zehn Minuten Exkursionen durchgeführt. Ich denke, dass seine Popularität ein vorrübergehendes Phänomen ist, nur wegen des 9. Mai. Das Interesse am Museum, das durch den Mord an seinem Gründer unlängst wieder so plötzlich die Medienaufmerksamkeit erregt hat, wird bald wieder erloschen sein.

Meine Beine dröhnten. Ich änderte meine Pläne, denn Kraft für eine Ausstellung über Exponate aus dem Kreml im Panorama-Museum hatte ich nicht mehr.

Spät abends bei Platzregen fand auf dem Mamaew Kurgan ein Konzert unter der Teilnahme den Marientheaters statt. Es traten bekannte Künstler mit Kriegsliedern auf, am Ende – ein feierliches Feuerwerk. Näheres unter