Erfolgreiche Uraufführung der deutschrussischen Theaterperformance "f (glaube) = x"

Wie es sich für eine gute Generalprobe gehört, stand um 18:20 am Montagabend (27.6.) unsere Theaterperformance „f (glaube) = x“ vor der Premiere um 19:00 noch auf wackeligen Beinen. Würde der Vorhang zum verabredeten Moment aufgehen, die Technik funktionieren und den Beginn der Performance, ein Videoclip mit Interviews, nicht verpatzen und niemand vor Aufregen in Ohnmacht fallen?

Die Leute strömten vielleicht nicht gerade an diesem ersten heißen Tag, seit der Ankunft der russischen Gäste aus Kazan und Wolgograd am 22. Juni in der kühlen Hafenstadt Hamburg. Jedoch waren die 2x3 Reihen dicht besetzt, als es dann um 19:20 mit leichter Verspätung losging. Nach 40 Minuten war die Premiere vorbei. Sie war ein voller Erfolg. Niemand war in Ohnmacht gefallen, keiner hatte seinen Text vergessen und bis auf ein paar Steuerungsproblemen mit der tückischen Technik war alles wie am Schnürchen gelaufen.

Schwer zu sagen, was das für ein Gefühl war, die 15 SchülerInnen aus den insgesamt vier Partnerschulen aus Hamburg, Wolgograd und Kazan auf der Bühne zu sehen. Wohl am ehesten Gänsehaut und tiefe Bewunderung dafür, dass es ihnen tatsächlich gelungen ist, in nur 10 Tagen direkter Begegnung in Kazan (Mai 2011) und Hamburg (Juni 2011) ein Theaterstück auf die Beine und Bühne zu stellen – und das ohne eine gut funktionierende gemeinsame Sprache!

Es hat – dies sei allen theaterinteressierten Jugendlichen und Organisatoren von derlei internationalen Austauschen zur Ermutigung gesagt! – funktioniert. Und es schien, dass die unverkennbare Sprachbarriere, die in den Familien zu Hause auch mal qualvoll war, der Kreativität der Jugendlichen beim Theaterspielen gerade am allerwenigsten Grenzen auferlegt hat.

Die Theaterperformance „f (glaube) = x", sprich: „Glaube ist eine variable Größe“, handelt vom Menschenrechtsartikel 18 „Jeder Mensch hat das Recht auf Gewissen-, Gedankens- und Religionsfreiheit“. Die Schülerinnen, die in ihren jeweiligen Ländern die Klassen 9, 10 und 11 besuchen, haben darin die Ergebnisse ihrer Recherchen zur Frage verarbeitet, wie wichtig ihnen selbst, aber auch Menschen ihrer Umgebung Religions- und Gewissensfreiheit und die weltanschauliche Neutralität des Staates heute ist. Sie beginnt mit einem Videoclip, in dem Ausschnitte aus Interviews zu sehen sind. Danach kommen 7 Szenen, die in einer Art Personen-Chronologie gleich einer Kettenreaktion miteinander verbunden sind: Aus der ersten Szene geht eine Figur in die zweite, spielt dort weiter, bis am Ende eine andere in die dritte Szene weiter geht usw. Dieses Verfahren zur Verbindung der Szenen hatten die SchülerInnen bereits beim ersten Arbeitstreffen in Kazan zum dynamischen Kompositionselement gemacht. Es steht als Symbol für die Kontinuität von Zivilisation, für die Entwicklung von Menschenrechten, dafür, dass der Mensch selbst ein Transmissionsriemen ist, die Geschicke also weiterdreht, Verantwortung trägt und nicht ohnmächtig seinem Schicksal ausgeliefert ist. Die Gegenwart steht mit der Vergangenheit in Verbindung und hat Bezug zur Zukunft – und das allein durch uns Menschen, die wir miteinander in Beziehungen zueinander stehen und treten. Die Geschichte – sie hängt von uns ab, wird von uns erinnert, von uns geschrieben … menschengemacht. Unsere Kriege, wie unser Frieden.

Am Ende gab es beinahe frenetischen Applaus, weiße Rosen für die in Weiß spielenden Jugendlichen und Fragen aus dem Publikum, die die SchülerInnen gern beantworteten.

Auf der Seite des Ost-West Trikster e.V. wird demnächst die Premierenaufführung vom 27.6.2011 in der Aula der Max-Brauer Schule zu sehen sein. Danach warten wir auf zahlreiche Einladungen für eine Aufführung der Performance „f (glaube) = x“ in andere Städte!!!

Viel Spaß und gute Unterhaltung!

Constanze Stoll (Projektleiterin, Ost-West Trikster e.V., Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)