Deutsch-russische Geschichtswerkstatt

TeilnehmerInnen

So verschieden die Motivation für die Mitarbeit an der deutsch-russischen Geschichtswerkstatt ist, so unterschiedlich sind auch die biographischen Hintergründe der einzelnen Mitglieder...

 

Anatolij

Anatolij Artamonow ist 28 und kommt aus Wolgograd. Er hat an der Wolgograder Universität für Architektur und Bauwesen studiert und ist Ökonom. Seit 2005 leitet er den militärhistorischen „Klub Infanterist“, in dem interessierte Menschen die Geschichte der Schlacht von Stalingrad studieren und erforschen, indem sie Episoden und Ereignisse rekonstruieren.

Anton Artamonow ist 23 und kommt aus Wolgograd. Er hat an der Wolgograder Universität für Architektur und Bauwesen studiert und ist Ökonom. Zusammen mit seinem Bruder hat er den kriegshistorischen „Klub Infanterist“gegründet. Der Großvater der Brüder Artamonow hat in der Schlacht von Stalingrad gekämpft und kam bis Berlin. Ihre Projektteilnahme ist durch ihr Interesse an der Frage begründet, wie Menschen in Europa die Geschichte der Schlacht von Stalingrad verstehen.

Anton

Rebekka

Rebekka Blume ist 29 und kommt aus Göttingen. Ihre Magisterarbeit im Fach Kulturgeschichte Ost- und Ostmitteleuropa an der Universität Bremen thematisierte die Position des lettischen Okkupationsmuseums in den Geschichtsdiskursen in Lettland. Parallel absolviert sie ein Lehramtsstudium in den Fächern Geschichte und Kunst. Sie interessiert sich besonders für Multiperspektivität im Blick auf Geschichte und hier vor allem dafür, wer aufgrund seiner kulturellen und sozialen Prägung was erinnert.

Peter Bukowski ist 37 und kommt aus Schleswig-Holstein. Seine Studienschwerpunkte an der Universität Hamburg waren die Geschichte der DDR und die deutsch-deutschen Beziehungen in der Ära Honecker. In seiner Familie, die zum größten Teil aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten kommt, ist sehr viel über den Krieg und die Nachkriegszeit gesprochen worden, vor allem über Flucht und Vertreibung und die neue Seßhaftwerdung der Familie in Schleswig-Holstein. Sein Interesse gilt insbesondere sich verändernden Erinnerungen.

Peter

Sandra

Sandra Dahlke hat über ein Thema zum Stalinismus promoviert. Sie forscht und lehrt an der Universität der Bundeswehr in Hamburg. Ihre Schwerpunkte sind die Geschichte der Sowjetunion, Herrschaftssystem und Individuum im Stalinismus, die Geschichte des russischen und sowjetischen Films.

Ihr Bezug zum Thema ist vor allem professioneller Natur. Da die Großeltern früh gestorben sind, gibt es keinen biographischen Bezug zur deutschen Erinnerungskultur und dem Zweiten Weltkrieg. Sandra hat die erste Reise nach Wolgograd als sogenannter Eye-Opener begleitet.

Christine Goelz ist 44 und kommt aus Ludwigsburg. Sie ist promovierte Slawistin und war zuletzt am Bremer Seminar für Ost- und Mitteleuropäische Studien für die Kulturgeschichte Russlands zuständig.

In der eigenen Familie gab es eine dem „Nie wieder!“-Duktus der 68er verpflichtete pazifistische Erziehung der Lichterketten und Gebetskreise. Die Suche in England nach dem Grab ihres gefallen und für seine „Verdienste“ in der Legion Kondor hochdekorierten „Fliegeropas“ wurde für die damals Sechszehnjährige zu einer sehr eindrücklichen persönlichen Erinnerung an den Krieg und seine Spätfolgen, ob der gemischten Gefühle, bei Engländern mit eindeutigem Foto nach einem Nazi zu fragen, den zudem die Großmutter beweinen wollte. Zu Stalingrad direkt gibt es nur Verbindungen aus wissenschaftlichem Interesse. Die Geschichtswerkstatt begleitet sie als Projektpartnerin der Universität Bremen und stellt den Transfer zwischen Universität und dem Projektteam sicher.

Christine

Thorsten

Thorsten Hoppe ist 32 und kommt aus Erlangen. Sein Geschichtsstudium an der Universität Hamburg beendete er 2005 mit einer Magisterarbeit über die Nordamerikanische und Westeuropäische Forschung zum „Stalinismus“. Beide Großväter waren als deutsche Soldaten am Krieg beteiligt und gerieten später in Gefangenschaft. Ein Großvater verbrachte mehrere Jahre in einem Lager in Sibirien. Ein Großteil der Verwandtschaft, darunter auch seine Mutter, floh gegen Kriegsende aus der Heimat Ostpreußen nach Westdeutschland, in die spätere Bundesrepublik.

Henning Horch ist 35 und kommt aus Bremen. Seine Studienschwerpunkte an der Universität Bremen lagen im Bereich der „Neueren und Zeitgeschichte“ sowie bei den Themen „Politische Kultur, Sozial- und Mentalitätsgeschichte, Literatur und Kunst“ Ostmitteleuropas. Seine Magisterarbeit behandelt die Erkenntnistheorie Aleksandr Bogdanovs im Kontext sozialistischer Gesellschaftsentwürfe an der Wende zum 20. Jh.

In der Familie – beide Großväter waren in Russland – wurden Kriegserfahrungen spürbar, blieben jedoch in weiten Teilen unausgesprochen oder wurden bewusst verdrängt. „Über die alten Sachen wollen wir heute nicht mehr reden“, so die Großmutter.

Sich als junger Mensch mit eigenen Lebenshorizonten im Spannungsfeld der Identitäten als Nachkomme von Opfern und Tätern wahrzunehmen war Teil der Auseinandersetzungen während eines deutsch-israelischen Schulaustauschs. Die Vergangenheit aus mehrfachen Perspektiven und inmitten scheinbar unvereinbarer Gegensätze (Ost-West) zu hinterfragen ist, was Henning an der Geschichtswerkstatt reizt.

Henning

Stefan

Stefan Langkabel ist 23 und kommt aus Pritzwalk (Brandenburg). Er studiert momentan im 6. Semester Integrierte Europastudien an der Universität Bremen. In seiner Familie wurde viel an den Zweiten Weltkrieg erinnert. Beide Großeltern haben Vertreibung und Flucht erlebt und von ihren Erlebnissen erzählt. Einer der Großväter geriet in Rumänien in Kriegsgefangenschaft und verbrachte diese in Kubyshev, dem heutigen Samara. Stefan war vor drei Jahren zum ersten Mal in Wolgograd und hat dort die Arbeit des Volksbundes für deutsche Kriegsgräberfürsorge kennen gelernt und begleitet.

Elena Ogarkowa ist 39 und kommt aus Frolowo bei Wolgograd. Sie ist Historikerin und promoviert derzeit über die sowjetischen Propaganda-Erzeugnisse während der Schlacht von Stalingrad.

Sie wurde ursprünglich eingeladen, das Projekt als historische Beraterin zu begleiten und ist inzwischen festes Mitglied der Geschichtswerkstatt. Ihr Interesse ist unterschiedlich motiviert: Sie sieht, dass die sich verändernde russische Erinnerungskultur zum Zweiten Weltkrieg und insbesondere zur Schlacht von Stalingrad wenig erforscht ist. Der deutsch-russische Dialog hierüber ist ihrer Meinung nach von größter Bedeutung, insbesondere die Frage, was Jugendliche aus beiden Ländern über das Thema denken. Sie möchte ihren museumspädagogischen Horizont für ihre Arbeit in Museen erweitern und hofft, dass sie erkenntnistheoretisch Neues für ihre wissenschaftliche Laufbahn entdeckt.

Elena

Martin

Martin Podolak ist 29 und kommt aus Herning, Dänemark. Mit 17 verbrachte er ein Jahr als Gastschüler in einer russischen Familie bei Moskau und arbeitete später in Moskau am Aufbau eines Freiwilligenprojekts mit. Er lebt und arbeitet inzwischen in Kopenhagen. Sein Interesse sowohl an Russland als auch an Geschichte führte ihn zur Geschichtswerkstatt. Martin ist der Ansprechpartner für Neue Medien. Seine derzeitigen Hauptaufgaben liegen in der Pflege und Wartung der internen Kommunikationsplattform im Internet („Forum“), sowie im Aufbau des Internetauftritts.

Ksenija Srednjak ist 23 und kommt aus Wolgograd. Sie hat 2007 ihre Diplomarbeit über „Literaten der dritten Emigrationswelle“ an der historischen Fakultät der Staatlichen Universität in Wolgograd geschrieben. Seit ihrer Kindheit ist das Thema Stalingrad natürlich überpräsent – ob durch ihre Heimatstadt, die zum Erinnerungsort geworden ist, ob durch den Geschichtsunterricht in der Schule oder durch die Arbeit an der Familiengeschichte über die Zeit der Schlacht von Stalingrad. Ihre Teilnahme ist von ihrem Interesse an der Erinnerungskultur im europäischen Kontext motiviert. Erfahrungen, die sie in ähnlichen internationalen Projekten machen konnte, haben ihre Aufmerksamkeit auf die Ähnlichkeiten und Unterschiede in der Wahrnehmung eines Ereignisses durch Menschen unterschiedlicher Herkunft, kultureller und sozialer Prägung gelenkt.

Ksenija

Constanze

Constanze Stoll ist 41 und kommt aus Villingen. Sie hat in Freiburg und Hamburg Slawistik und Geschichte studiert. Über den Deutsch-Russischen Austausch e.V. kam sie 1998 das erste Mal nach Wolgograd. Seither arbeitet sie, inzwischen freiberuflich in der Entwicklungszusammenarbeit mit Osteuropa und konzipiert mit Partnern vornehmlich aus Russland sozial- und kulturpolitische Projekte. Ihr Großvater mütterlicherseits kam 1945 nicht wieder von der Ostfront zurück. Ein Bruder väterlicherseits ist früh im Krieg gestorben. Die Erinnerungskultur im elterlichen Zuhause begreift sie als problematisch, da wenig erzählt aber vieles vergessen wurde und wird. Bis heute, meint sie, ist die deutsche Erinnerungskultur geprägt vom Dilemma der Deutschen, das um das Stigma der von ihnen begangenen Verbrechen kreist. Grenzüberschreitend interessieren sie die Schnittmengen im Umgang der russischen Gesellschaft mit der Vergangenheit und der Bedeutung, die Krieg bis heute für Russland und Deutschland hat. Sie hat das Projekt initiiert und koordiniert es.

Birte Wachtel ist 26 und kommt aus Wilhelmshaven. 2004 begann sie ihr Studium an der Universität der Bundeswehr in Hamburg, das sie im Frühjahr 2008 abgeschlossen hat. Ihre Magisterarbeit thematisiert den Boykott der Olympischen Spiele in Moskau 1980 in der deutsch-deutschen Presse. Beide Großväter waren im Krieg, aber nur in Europa eingesetzt. Das Interesse an Russland ist daher ein persönliches.

Birte

Denis

Denis Zoj ist 20 und kommt aus Wolgograd. Er studiert seit 3 Jahren an der Staatlichen Wolgograder Universität Geschichte und beschäftigt sich mit Projekten internationaler Organisationen in der Himalaya-Region. Zum Projekt stieß er, weil ihn die Idee interessiert und er die Erforschung der Erinnerungskultur zur Schlacht von Stalingrad als sehr perspektivenreich einschätzt. Außerdem reizt ihn der Austausch mit interessanten Menschen aus anderen Ländern, der ihn, wie er findet, persönlich bereichert.

Arina Fentisch ist 23 Jahre alt und kommt aus Wolgograd. Sie ist Architektin und leitet die Wolgograder gemeinnützige Organisation RIA 21. Jahrhundert. Von russischer Seite hat Arina das Projekt koordiniert. Sie hat am Projekt teilgenommen, weil sie sich dafür interessiert, wie die Schlacht von Stalingrad in den verschiedenen europäischen Ländern und insbesondere in Deutschland interpretiert wird.

Arina