Deutsch-russische Geschichtswerkstatt

Die museale Darstellung der Stalingrader Schlacht bildet den zentralen Gegenstand unserer Auseinandersetzung mit dem Thema der deutschen und russischen Erinnerungskultur(en). Anhand ausgewählter Museumsausstellungen in beiden Ländern nähern wir uns den Formen und Praktiken der Erinnerung und des Gedenkens an die Kriegsereignisse. Wir untersuchten die Konzepte, Funktionen und Botschaften dieser Form der Geschichtspräsentation. Mit den Ausstellungsanalysen wurden schließlich übergeordnet Fragen nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten im Erinnern an den Krieg in beiden Ländern und den Generationen aufgeworfen, bearbeitet.

Vergleich: Deutsch-russisches Museum Berlin-Karlshorst und Staatliches Panorama-Museum

Oder: Das Museum als Spiegelbild

Die Erinnerungen an Stalingrad sind beweglich, mannigfaltig, nicht eindeutig. In den Vorstellungen der Nachkriegsgenerationen wird der Anteil der Familienmilitärchronik allmählich geringer, bleibt als Bild der Vergangenheit zurück, das in Schulbüchern, Filmen, Ausstellungen, Medien vermittelt wird. Vor dem Hintergrund der immer stärkeren Isoliertheit der Wissenschaften behalten Museen eine gewisse Autorität. Sie sind zugänglicher und angepasst an die Menschen, die sich für die Geschichte interessieren. Darüber hinaus gibt es in Russland eine starke Tradition, mit der Familie, Schülern und Studentengruppen ins Museum zu gehen.

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Vom Ausstellungs- zum Projektkontext

Eine Kontextanalyse aus der Perspektive einer Theorie der „Zweiten Moderne“

Unsere Geschichtswerkstatt konnte im Mai 2007 während des ersten Besuchs einiger russischer Mitglieder in Deutschland Räume des Deutsch-Russischen Museums in Berlin–Karlshorst für ein Arbeitstreffen nutzen. In den Pausen war ein Rundgang durch die Dauerausstellung möglich, eine ausführliche Führung bekamen wir von Peter Jahn, dem früheren Leiter des Museums. Die ständige Ausstellung erinnert als einzige in Deutschland ausschließlich an den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Der Schlacht von Stalingrad ist jedoch kein eigener Bereich gewidmet. Erwähnt wird sie im Kapitel „Kriegsverlauf 1941-44“, dort sind auch einige Bilder der Schlacht zu sehen. Dieser Text fasst die Überlegungen und Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Kontext“ zusammen. Sie wurde entsprechend der von uns gewählten Methoden gebildet, die museale Präsentation der Schlacht von Stalingrad in dieser Ausstellung anhand von museumstheoretischen Texten zu einzelnen Aspekten (Außer zum „Kontext“ gab es Arbeitsgruppen zu den Aspekten „Struktur und Design“, „Text“ sowie „Exponate und Bilder“) zu analysieren.

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Fotoausstellung „Stalingrad“ im Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst

Das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst existiert seit 1995 und wird getragen von einem gemeinnützigen Verein, dem sowohl deutsche als auch russische Institutionen angehören. Es befindet sich an einem historischen Ort, denn in der Villa am Rande der Hauptstadt wurde in der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht ratifiziert und der Zweite Weltkrieg damit offiziell beendet. Bis 1949 war das Gebäude Sitz des Chefs der sowjetischen Militäradministration, am 10. Oktober 1949 bekam hier die erste Regierung der DDR die staatlichen Vollmachten übertragen. 1967 wurde es zum „Museum der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschlands im Großen Vaterländischen Krieg“ umfunktioniert und diente diesem Zweck bis 1994.

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Das Museum „Pamjat“: Konzeption, Struktur, Schicksal

Das Museum „Pamjat“, der Gegenstand meines Berichts, unterscheidet sich meiner Ansicht nach von allen übrigen Museen. Erstens befand sich hier während der Schlacht von Stalingrad der Stab der 6. Wehrmachtsfeldarmee und am 31. Januar 1943 wurde in diesem Raum ihr Kommandeur, Feldmarschall Paulus, gefangen genommen. Und zweitens? Um diese Frage zu beantworten, wollen wir drei wesentliche Momente analysieren: die Konzeption, die Struktur und das Design des Museums.

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Analyse der ständigen Ausstellung des Staatlichen Panorama-Museums „Die Schlacht von Stalingrad"

Der nachfolgende Text ist die Zusammenfassung der Analyse des Wolgograder Panorama-Museums „Die Schlacht von Stalingrad“ durch die deutsch-russische Geschichtswerkstatt. Auf der Grundlage eines Fragebogens fand sie im Februar 2007 nach einem gemeinsamen Besuch des Museums statt, wobei die Ergebnisse in anschließender Gruppenarbeit festgehalten wurden. Gemäß dem im Projektantrag formulierten Ziel der Geschichtswerkstatt sollte die ständige Ausstellung so auf mögliche Konzepte, Botschaften und Funktionen hin untersucht werden. An dieser Vorgabe orientierte sich auch der gemeinsam erarbeitete Fragenkatalog.

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