| Analyse der ständigen Ausstellung des Staatlichen Panorama-Museums „Die Schlacht von Stalingrad" |
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| Geschrieben von: Thorsten Hoppe |
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Der nachfolgende Text ist die Zusammenfassung der Analyse des Wolgograder Panorama-Museums „Die Schlacht von Stalingrad“ durch die deutsch-russische Geschichtswerkstatt. Auf der Grundlage eines Fragebogens fand sie im Februar 2007 nach einem gemeinsamen Besuch des Museums statt, wobei die Ergebnisse in anschließender Gruppenarbeit festgehalten wurden. Gemäß dem im Projektantrag formulierten Ziel der Geschichtswerkstatt sollte die ständige Ausstellung so auf mögliche Konzepte, Botschaften und Funktionen hin untersucht werden. An dieser Vorgabe orientierte sich auch der gemeinsam erarbeitete Fragenkatalog. In seiner heutigen Gestalt eröffnet wurde das Museum 1982, Vorläufer existierten jedoch bereits seit 1937. Auf einer Fläche von 4500 Quadratmetern werden in acht Sälen rund 3500 Exponate präsentiert. Markenzeichen des Museums ist das Panoramagemälde „Niederlage der faschistischen Truppen bei Stalingrad“.Architektur und Design des Museumskomplexes entsprechen der Thematik und wirken genau durchdacht; betont werden die „Feierlichkeit“ und der „Triumph“ des Ereignisses – der Sieg. Die thematische und chronologische Darstellungsweise spiegelt sich in der architektonischen Anordnung der Ausstellungsräume wider: Acht nummerierte Säle mit wenigen Schautafeln zur Chronologie der Schlacht und thematisch abgegrenzten Bereichen sind gleichmäßig um die „Triumphhalle“ gruppiert. Anhand der Anzahl der ausgestellten Exponate zu einem Thema und deren Anordnung lassen sich thematische Schwerpunkte ausmachen (Generalität, Waffen, Geschenke, Modell Stalingrads). In den dunklen Ausstellungsräumen im Inneren herrscht eine beklemmende Atmosphäre. Davon ausgenommen ist die geräumige „Triumphhalle“ in der Mitte: Dort ist es hell und obwohl sich der Besucher beim Betreten klein vorkommt, empfindet er ein befreiendes Gefühl. Als Ganzes erinnert das Museum an einen Sakralbau. Die grob chronologische Anordnung der Räume wird von einer thematischen und das Ereignis aus sowjetischer Sicht bewertenden Perspektive dominiert. Durch die schwache ereignisgeschichtliche Kontextualisierung der Schlacht und die stärker selektive thematische Einrichtung der Räume – „Mut und Tapferkeit“, „Straßenkämpfe“, „Hilfe der Bevölkerung für die Soldaten“, „Gegenoffensive“, „Marschälle und Generäle“ – lässt die Ausstellung wenig Raum für das Deuten unterschiedlicher, relevanter und ineinandergreifender Aspekte aus verschiedenen Betroffenen-Perspektiven des damaligen Geschehens. Die Ausstellung pointiert viel eher Ergebnisse und bereits interpretierte Realitäten und legt daher nahe, dass es so und nicht anders war. Die auf diese Weise repräsentierte Geschichte der Schlacht von Stalingrad ist nicht interpretierbar, sie wird nicht als nur eines von anderen möglichen Modellen von Vergangenheit dargestellt. Das heißt auch, dass die Ausstellung nicht bewusst Geschichte museumspädagogisch zum Verhandlungsgegenstand macht. Mit anderen Worten scheint die museale Präsentation des Ereignisses mit dem Ereignis selbst authentisch zu sein. So wird die Vergangenheit in die Gegenwart verlängert; der Betrachter wird in eine Rolle gebracht, die möglichst wenig Distanz zwischen seinem Heute und dem vergangenen Ereignis suggeriert. Das museumspädagogische Konzept der Präsentation von Historie ist nicht eindeutig transparent; es finden sich keine didaktischen Hinweise zur Auffassung der Ausstellungsmacher über das Erinnern an Geschichte; der übergeordnete Sinn des Erinnerns an die Schlacht, die Heldenverehrung, wird jedoch schnell deutlich. Neben zahlreichen Fotografien befinden sich unter den Ausstellungsexponaten Waffen, Uniformen und Orden, medizinisches Gerät, Kartenmaterial und schriftliche Quellen sowie einzelne Modelle. Kanonen und Panzer dürfen angefasst werden, die meisten anderen Ausstellungsstücke liegen hingegen hinter Glas. Eine genauere Betrachtung wird teilweise durch die schlechte Beleuchtung verhindert. Obwohl sich einige Gegenstände wiederholen und ihre Präsentation uneinheitlich wirkt, sind sie dennoch nicht willkürlich angeordnet. Zielgerichtet wurden Bilder von Personen ausgewählt, die als Repräsentanten des sowjetischen Triumphs erscheinen. Einige Schaukästen zeigen Alltagsgegenstände, die die Geschichte der einfachen Menschen dokumentieren. Da der Besucher jedoch keine näheren Details zu den ausgestellten Objekten erfährt, dienen sie lediglich der Illustration von Geschichte. Völlig unbeachtet bleiben in der Ausstellung die Erinnerungskultur und ihr Wandel. Aus der Perspektive der politisch Verantwortlichen wird vom heldenhaften Triumph der Roten Armee über die Deutschen und ihre Verbündeten erzählt. Die Ziel der Ausstellung ist ganz offensichtlich die Erziehung zum Patriotismus, die Besucher sollen sich mit den dargestellten Helden identifizieren. Um die Ausstellung zu verstehen, benötigen Besucher zusätzliche Informationen; Grundkenntnisse der Schlacht beziehungsweise des Zweiten Weltkrieges werden offenbar vorausgesetzt. Ein Flyer mit Zusatzinformationen kann zwar vor Ort erworben werden, dieser ist jedoch wenig ergiebig. Das Panorama-Museum stellt die Schlacht von Stalingrad aus sowjetischer Sicht dar und erhebt den Anspruch, die einzig vertretbare Perspektive auf das dargestellte historische Ereignis zu haben. Es vertritt damit die offizielle Lesart, andere Sichtweisen werden systematisch ausgeblendet. Die Betonung der Ausstellung liegt auf der Heldenverehrung, wobei Mythen und Stereotype über die Schlacht von Stalingrad reproduziert werden und durch den Aufbau und die architektonische Gestaltung eine Emotionalisierung stattfindet. |