Das Museum „Pamjat“: Konzeption, Struktur, Schicksal Drucken
Geschrieben von: Anton Artamonow   

Das Museum „Pamjat“, der Gegenstand meines Berichts, unterscheidet sich meiner Ansicht nach von allen übrigen Museen. Erstens befand sich hier während der Schlacht von Stalingrad der Stab der 6. Wehrmachtsfeldarmee und am 31. Januar 1943 wurde in diesem Raum ihr Kommandeur, Feldmarschall Paulus, gefangen genommen. Und zweitens? Um diese Frage zu beantworten, wollen wir drei wesentliche Momente analysieren: die Konzeption, die Struktur und das Design des Museums.

Der Kerngedanke des Ausstellungskonzepts besteht in dem Versuch, den Krieg aus der Sicht eines einfachen Soldaten zu zeigen. Um dies zu erreichen, werden im Museum Uniformen, persönliche Gegenstände und Personalausweise der deutschen Soldaten aus dem Stalingrader „Kessel“ zur Schau gestellt. Früher befand sich in diesem Keller zuerst ein russisches, später ein deutsches Militärspital und so werden hier auch medizinische Einrichtungen und Uniformen von russischen und deutschen Militärärzten gezeigt.

Die Nachteile der Konzeption erschließen sich nicht einfach, denn sie sind an sich schwer erkennbar. Einerseits demonstriert das Museum die Ergebnisse der Schlacht von Stalingrad im Allgemeinen, indem man zum Beispiel die Gesamtzahl der Kriegsgefangenen anführt. Andererseits konzentriert sich die Dokumentation auf Paulus’ Gefangennahme: durch den Ort selbst, an dem sie stattgefunden hat, durch andere Faktoren – alles hier betont, dass dies der Epilog der Schlacht um Stalingrad ist. Aber zugleich wird dieses Ereignis nicht vollständig dargestellt, es fehlt eine notwendige Übersicht und es mangelt an faktischem Material, das dieses Ereignis detailliert beleuchten könnte.

Inszenierung der Gefangennahme von Feldmarschall Paulus. 31.01.08Einige Bemerkungen, die die Struktur des Museums betreffen. Die Ausstellungsstücke sind chaotisch arrangiert. Der Hauptdurchgang des Museums ist mit unterschiedlichen Exponaten überfüllt, die oft nur schwer in Zusammenhang mit dem Hauptraum zu bringen sind. Zum Beispiel steht da ein deutsches Motorrad. Es korrespondiert mit der Einrichtung des Museums gar nicht und stört die Erfassung der Gesamtkonzeption. Was die Schaukästen an den Wänden angeht: Sie haben meist keine Betitelungen, deswegen ist es schwierig, ihre Thematik zu erkennen, dabei können nur Museumsführer behilflich sein. Besonders gelungen hingegen ist die Einrichtung der Säle, die den deutschen und den russischen Soldaten präsentieren. Dort finden die Besucher verschiedene Gegenstände aus dem Alltag der Soldaten: Uniformen, Teile der Ausrüstung und anderes mehr.

Das Gebäude wurde in der Vorkriegszeit errichtet und für das Museum nicht umgebaut, deswegen stehen die Exponate im Einklang mit der gesamten Atmosphäre des Altbaus. Aber einige Ausstellungsgegenstände sehen nicht überzeugend aus. Es geht hier um die Räume, in denen Soldaten als Pappfiguren ausgestellt sind, die mit Phosphor bestrichen wurden und auch um den Raum, wo sich die Figur des Kommandeurs Paulus befindet, die nicht einmal zeitgemäß gekleidet ist. Der einzige Ausstellungsraum, der wirklich wahrheitsgetreu und überzeugend eingerichtet ist, ist das Zimmer mit den verwundeten Soldaten: Die Raumausstattung und die Tür mit dem Hängeschloss sind authentisch.

Trotz der erwähnten Nachteile, von denen einige wirklich negativ wirken, ist das Museum bei den Bewohnern der Stadt populär, besonders beliebt ist es unter Schülern. In diesem Zusammenhang ist die öffentliche Aktion von großem Interesse, die durchgeführt wurde, als bekannt wurde, das Museum werde schließen. Die heftige Diskussion um das Schicksal des Museums in den Massenmedien der Stadt und ganz Russlands wurde auch im Rahmen der Geschichtswerkstatt besprochen. Die Projektteilnehmer waren ausdrücklich gegen einen derartigen Beschluss. Es muss unterstrichen werden, dass die Wolgograder Behörden dem gesellschaftlichen Druck nachgegeben haben und das Museum erhalten bleibt.1

Fußnoten

1)   Zum Zeitpunkt der Fertigstellung unserer Dokumentation gibt es die Ausstellung im Keller des Kaufhauses bereits nicht mehr. Nach Ablauf des Mietvertrags plant der Kaufhausbesitzer den Ausbau von Lagerflächen und Einbau eines Warenlifts, dem das Museum weichen soll. Nach Protesten der Bevölkerung gegen die Schließung des Museums versprach die Stadtverwaltung, die Kellerräume zum 9. Mai 2008 an die Munizipalität zurückgegeben. Dies ist bislang nicht geschehen. Vermutlich wird auch in Zukunft nichts an diesen historischen Ort erinnern. Und jene, die einen materiellen Vorteil daran haben werden fortfahren, die übriggebliebene Geschichte zu zerschlagen. zurück