| Fotoausstellung „Stalingrad“ im Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst |
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| Geschrieben von: Thorsten Hoppe |
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Das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst existiert seit 1995 und wird getragen von einem gemeinnützigen Verein, dem sowohl deutsche als auch russische Institutionen angehören. Es befindet sich an einem historischen Ort, denn in der Villa am Rande der Hauptstadt wurde in der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht ratifiziert und der Zweite Weltkrieg damit offiziell beendet. Bis 1949 war das Gebäude Sitz des Chefs der sowjetischen Militäradministration, am 10. Oktober 1949 bekam hier die erste Regierung der DDR die staatlichen Vollmachten übertragen. 1967 wurde es zum „Museum der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschlands im Großen Vaterländischen Krieg“ umfunktioniert und diente diesem Zweck bis 1994. Aus Anlass des 65. Jahrestages der Schlacht von Stalingrad wurde im Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst vom 23.11.2007 bis 14.02.2008 die Sonderausstellung „Stalingrad“ der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti gezeigt. Die deutschen Mitglieder der Geschichtswerkstatt konnten diese im Januar 2008 während eines zweitägigen Arbeitstreffens im Museum anschauen. Aus dem Archiv von RIA Novosti wurden in einem Raum historische Fotografien der Kämpfe in Stalingrad von bekannten sowjetischen Kriegsfotografen und jüngere Aufnahmen, die den Umgang mit der Erinnerung an die Schlacht dokumentieren sollten, präsentiert. „Historisches Ereignis und Erinnerung daran werden in den hier gezeigten Bildern thematisiert“, hieß es im einleitenden Text des Museums. „Die von RIA Novosti produzierte Ausstellung stellt gleichsam eine Fortführung des Topos ‚Schlacht von Stalingrad‘ und ‚Erinnerung an Stalingrad‘ aus russischer Sicht dar“, war dort weiter zu lesen.Der Begleittext von RIA Novosti in russischer und deutscher Sprache war weniger um Neutralität bemüht, er begann mit dem Satz: „Der Sieg der sowjetischen Truppen bei Stalingrad ist eines der ruhmreichsten Kapitel aus der Chronik des Großen Vaterländischen Krieges.“ Zudem wurden Fakten falsch dargestellt. So hätten die deutschen Truppen angeblich rund 1,5 Millionen Mann an Toten, Verletzten und Gefangenen verloren, eine Zahl, die viel zu groß ist und eventuell dazu beitragen sollte, den Sieg der Roten Armee zu glorifizieren beziehungsweise die hohen Verluste auf sowjetischer Seite zu relativieren. Die Schwarz-Weiß-Fotografien der Kriegsfotografen ließen sich in zwei Kategorien unterteilen, authentisch und gestellt wirkende Bilder. Zur ersten Gruppe gehörten Aufnahmen von Zivilisten, insbesondere aber die Fotografien, die Soldaten der Roten Armee während der Kampfhandlungen darstellten, waren teilweise offensichtlich inszeniert. Am Ende der Ausstellung zeigten einige neuere Bilder die beiden bekanntesten Gedenkorte an die Schlacht von Stalingrad in Wolgograd, das Staatliche Panorama-Museum und die Gedenkstätte mit der „Mutter Heimat“ auf dem Mamajew Kurgan. Unkommentiert gab die Ausstellung die offizielle russische Sicht auf das Ereignis Schlacht von Stalingrad und die damit verbundene Erinnerungskultur wieder. Obwohl die deutsche Öffentlichkeit das Kriegsgeschehen an der Wolga als einen entscheidenden Moment des Zweiten Weltkriegs wahrnimmt, wird daran verhältnismäßig wenig erinnert. Ganz anders als in Wolgograd existiert in Deutschland kein Ort, der sich nur dieser Thematik widmet. In der Dauerausstellung des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst wird die Schlacht von Stalingrad zwar erwähnt, eine tiefergehende Auseinandersetzung findet jedoch nicht statt. Offen bleibt zudem die Frage, warum die Sonderausstellung „Stalingrad“ kommentarlos präsentiert wurde, trotz einer offensichlich nur sehr eingeschränkte Sichtweise, die dem Betrachter zur Einordnung in einen breiteren Kontext einige Kenntnisse abverlangte. |