Deutsch-russische Geschichtswerkstatt
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Geschrieben von: Anton Artamonow   
Für den 2. Februar bereiteten mein Bruder und ich zusammen mit dem Team unseres militärgeschichtlichen Vereins „Pechotinez“ („Infanterist“) die Szene vor, wie Feldmarschall Paulus im Keller des Zentralkaufhauses festgenommen wird. An diesem Ort befindet sich heute das Museum „Wachta Pamjati“ („Die Wache der Erinnerung“). Es ergab sich, dass der Aufenthalt der deutschen Gruppe in Wolgograd und dieses Ereignis zusammentrafen. Da ich die Rolle des Dolmetschers spielen und Deutsch sprechen sollte, war ich sehr aufgeregt. Aber die deutschen Teilnehmer der Werkstatt, die schließlich unsere Inszenierung besuchten, würdigten meine Bemühungen durchaus.
Nachdem die Aufführung der Festnahme zu Ende war, konnte ich mit vollem Engagement an der Projektbesprechung teilnehmen. Für mich war es interessant, nicht nur mit Deutschen zu kommunizieren, sondern auch von ihnen etwas Neues über Deutschland zu erfahren, ihnen etwas von Russland zu erzählen. Das Wetter machte uns eine besondere Freude, denn es ließ Parallelen zu jenen vergangenen frostigen Tage in Stalingrad zu. Wir veranstalteten eine Schneeballschlacht. Ich erinnerte mich an meine Kindheit …

Besonders stolz waren wir immer dann, wenn die deutschen Teilnehmer Begeisterung für unsere Stadt zeigten. Während unserer Spaziergänge in der Stadt hatte ich oft ein peinliches Gefühl, wenn ich erzählte, dass die Häuser, an denen wir vorbeigingen, von deutschen Kriegsgefangenen erbaut worden waren. Das Interessanteste ist, dass wir selbst kaum bemerken, wie viele Häuser das sind.

An einem Abend luden wir unsere Gäste zu uns nach Hause ein, um gemeinsam einen Film anzusehen, den Mitglieder unseres Vereins gedreht haben. In diesem Film zeigen wir unsere Vorstellung vom Krieg, von den Soldaten, darunter auch von den Deutschen. Natürlich hatten wir uns nie träumen lassen, dass wir diesen Film irgendwann Menschen aus Deutschland zeigen würden. Uns war es peinlich, als in einer der Filmepisoden die Grausamkeit sowjetischer Soldaten einem gefangenen Deutschen gegenüber gezeigt wurde. Aber die Reaktion der Zuschauer auf das Gesehene war adäquat, im Krieg sind solche Sachen nichts Außerordentliches.

Danach zeigten wir unsere Ausstellungsstücke – die Militäruniformen und die Militärausrüstung von Soldaten zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Ich staunte darüber, dass die Deutschen nicht genau wissen, woraus die Ausrüstung der Reichssoldaten bestanden hatte. Aber offen gesagt, können sich auch die Russen nicht sehr gut vorstellen, wie die Soldaten der Roten Armee gekleidet waren, also verging mein Erstaunen bald.

Was die gemeinsamen Diskussionen zum Projekt betrifft, so haben sich meine Vorstellungen von der Stalingrader Schlacht verändert. Nun betrachte ich das ganze Ereignis und seine Rezeption im Laufe der Zeit unter verschiedenen Blickwinkeln. Genau das fehlte manchmal, um einige Aspekte richtig einzuschätzen, die bisher für mich gar nicht in Frage gestanden hatten.

 
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