| Das Zusammentreffen der russischen und deutschen Gruppe |
|
| Geschrieben von: Ksenija Srednjak |
|
Eines der wichtigsten Resultate des Treffens war unsere persönliche Bekanntschaft – ohne die wäre es unmöglich, ein einheitliches Gruppengefühl zu bekommen. Aber zugleich wurde klar, dass wir ganz unterschiedlich sind, und dass auch unsere Erwartungen an das Projekt verschieden sind. Aber wenn man auf effektive Zusammenarbeit eingestellt ist, ist dies eher ein Vorteil als Nachteil des Projekts. Noch eine „Überraschung“ war, dass die im Rahmen der Werkstatt erprobten Arbeitsweisen wirklich sehr effektiv waren: So finde ich die persönliche Kommunikation der Teilnehmer und das Arbeiten in Kleingruppen produktiver als in großen Gruppen. Außerdem war das Gefühl des „Eintauchens“ ins Projekt wichtig, ich verspürte es einige Tage lang; denn auch noch nach der Beendigung unserer Diskussionen dachte ich darüber nach, in Gedanken diskutierte ich weiter, versuchte, das Gesagte zu erfassen und zu systematisieren. Anders gesagt, bildeten an jenen Tagen die von uns behandelten Themen den Hauptinhalt meiner Gedanken, unabhängig davon, wo ich gerade war und was ich machte. Ein paar Worte über die inhaltliche Seite der Werkstatt. Hier gab es viel neue, überraschende, diskussionswürdige, gar paradoxe Momente aufgrund von kulturellen Unterschieden, verbunden auch mit den verschiedenen „Erinnerungskulturen“ unserer Länder. Diese Verschiedenheiten kamen sogar auf der sprachlichen Ebene zum Vorschein. Es gibt Situationen, in denen die Sprache Nuancen wiedergibt, die nur schwer übersetzt werden können (z.B. im Fall der Begriffe von „Gedächtnis“ und „Erinnerung“). Aber es gibt auch viel Gemeinsames in der Erinnerungskultur beider Länder. Eines dieser Momente ist der Unterschied zwischen dem „professionellen“ Erinnern (zu dem Historiker arbeiten) und dem allgemeinen (das für die Durchschnittsbürger gilt). Probleme wie dieses machen das Ziel unseres und ähnlicher Projekte deutlicher: Es besteht in der Notwendigkeit, diese zwei Typen von Erinnerung in Zusammenhang zu bringen und vielleicht den Weg zu einem neuen Typ einzuschlagen – zum sogenannten „kritischen“ Erinnern, das für die ganze Gesellschaft gültig sein könnte. |