Deutsch-russische Geschichtswerkstatt

Um etwas über die Art und Weise zu erfahren, wie in Russland und Deutschland an die Schlacht von Stalingrad erinnert wird, haben wir u.a. Interviews mit Vertretern von vier Generationen geführt. Zwei Erfahrungsberichte unserer Mitglieder stellen wir hier vor:

Erikas Bericht

Ein grauer Nachmittag im Januar auf einem sachsenanhaltischen Dorf. Ich öffne die grüne Pforte im großen Hoftor meiner Großtante Erika*. Auf dem Weg über das Kopfsteinpflaster ihres Hofes zu der ausgetretenen Steinstiege vor der Haustür stiebt eine Meute magerer Katzen vor meinen Füßen auseinander. Durch die alten doppelten Fensterrahmen des kleinen Fensters hört man leise Fernsehgeräusche. Ich klingele und höre Erikas Schritte zur Tür kommen.

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Unterschiede im Generationengedächtnis

Vor meiner Teilnahme an der Geschichtswerkstatt hat mich die Frage nie beschäftigt, wie sich verschiedene Generationen an die Stalingrader Schlacht erinnern. In der Schulzeit beschränkten sich meine Vorstellungen von der Stalingrader Schlacht auf die strategische Gegenüberstellung zweier Armeen. Einige Divisionen gingen zur Offensive über, andere versuchten, keinen Fußbreit zurückzuweichen. Während ich den Standpunkt der offiziellen Ideologie und mit ihr die Stereotypen der Schilderung nie einer Kritik unterzogen hatte, da ich mit sowjetischen Filmen und sowjetischer Literatur aufgewachsen bin, betrachtete ich die Schlacht an der Wolga als Student an der Fakultät für Geschichte nun genauer und gründlicher.

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