Deutsch-russische Geschichtswerkstatt

Auf einem der ersten Werkstatttreffen der deutschen Arbeitsgruppe fragten wir uns, welche Bilder wir mit Stalingrad assoziieren. Wir mussten uns eingestehen, dass wir über wenig Faktenwissen verfügten. Dafür hatten viele von uns Bilder von weißen Schneefeldern und schräg darin stehenden halberfrorenen Figuren und mit Lappen umhüllte Füße vor Augen. Niemand konnte sich an eine ausführliche Thematisierung im Schulunterricht, eine museale Repräsentation der Schlacht oder ähnlich pointierte Beiträge erinnern. Von unserer vorbereitenden Recherche über den Erinnerungsort Stalingrad dokumentieren wir an dieser Stelle die Ergebnisse unserer Lektüre der geschichtswissenschaftlichen Fachliteratur in beiden Ländern.

Erinnerungsort Stalingrad in der deutschen Geschichtswissenschaft

Vor einigen Wochen traf ich auf der Straße in Bremen einen jungen Mann, auf dessen rotem T-Shirt die Aufschrift „1943 Stalingrad“ prangte. Auf Nachfrage, warum er dieses T-Shirt trage, antwortete er, dass er damit eine politische Stellungnahme abgeben wolle. Er trete damit neofaschistischen Tendenzen unter deutschen Jugendlichen entgegen, indem er auf die „größte“ Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands hinweise. An diesem kleinen Beispiel zeigt sich sehr gut, wie sehr die Schlacht von Stalingrad als eine wichtige Metapher in das kollektive Gedächtnis in Deutschland eingegangen ist.

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Erinnerungsort Stalingrad in der russischen Geschichtswissenschaft

Wahrscheinlich stellen sich alle Leser und Leserinnen unweigerlich die Frage: Wie kann ein Mensch, der die bewusste Zeit seines Lebens in Wolgograd zugebracht hat, das gesamtrussländische Gedenken an die Schlacht von Stalingrad objektiv beurteilen? Die Frage ist berechtigt, denn die Vorstellungen von Wolgogradern über Stalingrad weichen beträchtlich von jenen anderer Russen ab.

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