Deutsch-russische Geschichtswerkstatt

Die KonzeptionWarum beschäftigen sich junge Menschen heute mit der Erinnerung an die Schlacht von Stalingrad? Was verbinden sie mit Stalingrad? Wie und wodurch erinnern sie dieses Ereignis des Zweiten Weltkriegs? Das Ergebnis der zweiten Phase zur Stalingraderinnerung des Projekts „deutschrussische Geschichtswerkstatt“ ist die Konzeption einer Ausstellung. Sie ist das Resultat der Recherchen zu den Reflexen junger Menschen auf die  Erinnerung an die Stalingrader Schlacht in Russland und Deutschland. Neben einer thematischen Einführung werden in der Konzeption die Materialgrundlage, Leitlinien der Gestaltung und angestrebte Besuchergruppen für eine Umsetzung der Ausstellung erläutert.




stalingrad reflexe

erinnerungspolitische strategien junger menschen aus russland und deutschland

Zusammenfassung der Ausstellungskonzeption


Module der KonzeptionThema Innerhalb einer lebendigen Geschichtskultur der Gegenwart entwerfen junge Menschen alternative Entwürfe der Erinnerung an die Stalingrader Schlacht. Sie reagieren auf in der Gesellschaft etablierte Erinnerungsmuster mit verschiedenen Strategien der Fortschreibung, Aneignung oder des Protests. In ihren vielfältigen Praktiken des Erinnerns und Gedenkens werden Versuche sichtbar, bestehende Geschichtsbilder zu be- und hinterfragen, um neue Antworten zu generieren. Diese Praktiken verstehen wir als Reflexe auf die bestehenden Erinnerungskulturen beider Länder.

"Stalingrad" steht hierbei nicht allein für das historische Ereignis, das immer mitgedacht wird. "Stalingrad" bleibt als der reale Ort einer ehemaligen und heutigen Stadt präsent, ist ein Erinnerungsort, ein lieu de mémoire und wird als Chiffre eingesetzt.

Die Ausstellung widmet sich diesen Reflexen auf den ‚Erinnerungsbetrieb' "Stalingrad" und spürt den individuellen Motiven der beteiligten Akteure nach.


Module der KonzeptionInhalte Die Reflexe werden in ganz unterschiedlichen soziokulturellen Formen realisiert: in Reenactments, (politischem) Theater, Ausgrabungen, Protestaktionen. Medien transportieren "Bilder" und Sichtweisen, die zu Bestandteilen produktiver Reflektionen werden: etwa durch Computerspiele, Internetseiten, Zeitschriften, Filme. "Geschichte" wird dabei als lebendig, erlebbar und veränderbar, mehrdeutig verstanden.

Das Projekt "deutschrussische Geschichtswerkstatt" recherchiert zu diesem Thema in beiden Ländern seit 2008 unter Angehörigen der dritten und vierten Generation, also unter Menschen zwischen 15 und 40 Jahren. In narrativen Interviews werden die Motive und Strategien der Beteiligten ermittelt. Die Aussagen der Befragten liefern den grundlegenden kognitiven Zugang zur Thematik und repräsentieren die Vielfalt der individuellen Standpunkte. Über Gegenstände, die von den Befragten verwendet oder hergestellt werden, Dinge also, die Bestandteil der Reflexe sind, erschließen sich die jeweiligen Auseinandersetzungsformen (auch optisch/haptisch). Dokumentarisches Material, wie Fotos oder Filme, und Hintergrundinformationen ergänzen die erste Materialsammlung.


Module der KonzeptionGestaltung In der Ausstellung wird nach aktuellem Stand ein Set von insgesamt 24 ausgewählten Interviews präsentiert. Sie sind entsprechend ihrer inhaltlich-thematischen Übereinstimmung neun Gruppen zugeordnet. Die Anordnung der Exponate entspricht einer nichtlinearen Erzählweise, die einen intuitiven Zugang zum Material ermöglicht. Die einzelnen Gruppenstationen sind daher kreisförmig um eine weiße Sitzgelegenheit angeordnet. Sie symbolisiert die Lücken, die "weißen Flecken" innerhalb der Erinnerungskulturen beider Länder und wird zum zentralen Begegnungspunkt im Ausstellungsraum. In dieser Form ist die Ausstellung als gemeinsame Informations- und Diskussionsplattform konzipiert.


Module der KonzeptionBesucher Die Ausstellung wird einem breiten Publikum in Russland und Deutschland präsentiert. Sie verfolgt das Anliegen, die "Reflexe" den jeweils anders national und kulturell geprägten Besuchern bekannt zu machen. Eine wichtige Besuchergruppe sind Jugendliche, da die Ausstellung ihnen eine Ebene der Selbstreflexion in der Auseinandersetzung mit den Beiträgen ihrer Altersgenossen ermöglicht. Besucher der älteren Generationen (Lehrer, Eltern und Großeltern) sind eingeladen, sich ein Bild von den Fragen, Meinungen und Strategien ihrer Schüler, Kinder, Enkel, Urenkel bei der Beschäftigung mit Geschichte zu machen.

Mittels des generationellen Aspekts öffnet sich der Blick auf die Möglichkeiten und Formen der Teilhabe am erinnerungspolitischen Prozess: denn ein gleichberechtigter Austausch der Erfahrungswelten zwischen Angehörigen der verschiedenen Generationen findet im öffentlichen Raum nur selten statt.